Manche Geschäftsidee entsteht am Reißbrett, hier war das anders. Der Anfang war eine Anfrage aus dem Netzwerk. Ein alter Weggefährte meines Geschäftspartners brauchte Konzept und Umsetzung für eine E-Commerce Idee für innovative Pflegeprodukte. Eine tolle Chance für uns als junge Digitalagentur. Also haben wir uns reingekniet. Strategisch. Inhaltlich. Technologisch. Es sollte eine Chance bleiben. Das Projekt wurde eingestellt. Das Ende der Geschichte?
Wenn du dich für ein großes Projekt bewirbst und am Ende nicht deswegen verlierst, weil andere besser waren, sondern weil das Projekt gar nicht startet, willst du das am liebsten schnell vergessen. Hier war das irgendwie anders. In Gesprächen stolperten Johannes (mein Agenturpartner) und ich immer wieder darüber "was man da hätte draus machen könnten".
Was war so faszinierend? Zum einen sicher die grüne Wiese, auf der wir planen sollten. Keine Vorgaben, eine seltene Gelegenheit im Agentur-Business, denn zu oft liegen viele Puzzleteile schon und Kunden haben ganz konkrete Vorstellungen.
Aber dazu kam noch etwas anderes. Das Gefühl, dass da am Markt was fehlt. Zu wenig Orientierung. Zu wenig Ganzheitlichkeit. Zu viel Stückwerk. Dabei ist Pflege ja kein einzelner Anlass, sondern eine Reise. Auf der ist vieles vorhersehbar und trotzdem fahren viele auf Sicht. Sie beginnt oft erst dann, wenn man es nicht mehr ignorieren kann. Vorher wird vieles weggedrückt. Nicht aus Gleichgültigkeit. Sondern weil der Alltag voll ist. Weil das Thema schwer ist. Weil man die eigenen Eltern plötzlich anders sieht. Aus Menschen, die einen durchs Leben gebracht haben, werden Menschen, die selbst Hilfe brauchen. Ein harter Rollenwechsel.
Dabei komme ich nicht aus dem Pflegebereich. Ich kann Marketing, Sales, Technologie und Prozesse. Ich kann hier nicht so tun, als ob ich ein Experte wäre. Ich muss erstmal verstehen, wie Pflege funktioniert. Das hab ich als Kind schon geliebt: Verstehen, wie Dinge funktionieren (Sorry Mom, ich war mir wirklich sicher, dass ich das Radio wieder zusammenbekomme). Aber hier glaube ich, dass wir etwas besseres bauen können.
Dazu kommt noch, dass mich die technologische Seite total interessiert hat. Weil sich hier gerade so vieles ändert und das Timing stimmt. Viele etablierten Player sind entstanden in einer Zeit, in der KI noch keine Rolle gespielt hat. Für uns stellt sich an jeder Weggabelung die Frage: Was geht heute schon? Was wird bald möglich sein? Diese Fragen sind für mich keine Liebhaberei mehr, weil wir nicht mehr über ein Projekt nachdachten, sondern über eine weitere Gründung neben dem Hauptjob Agentur.
Dass ich das zusammen mit Johannes weiterentwickle, ist mehr als eine Business-Entscheidung. Natürlich steckt da auch unternehmerische Logik drin. Aber eben auch der Gedanke, dass man mit einer Idee etwas Sinnvolles machen kann. Nicht nur irgendeinen Kram verkaufen. Sondern ein Thema besser machen, das viele Menschen betrifft. Genau deshalb ist Terisa für mich hängen geblieben. Und genau deshalb ist es bis heute nicht weggegangen.

