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Published in Unser Weg

Gibt es die richtige Zeit? Zum Gründen? Zum Sorgen?

By Johannes F. Woll
3 min read
Zeit zum Gründen
4:32

 

Wann ist die richtige Zeit zum Gründen und wann die richtige Zeit, sich zu sorgen? Auf den ersten Blick mögen das gänzlich unterschiedliche Fragen sein. Für mich hängen sie jedoch eng zusammen: Auch wenn sich Gründen planen lässt, die Sorgen kommen meist ungefragt und treffen uns mitten im Alltag.

Auslöser für diesen Text war ein Beitrag von Lisa Hipp, Co-Founderin von MAKE IT MATTER, die generationsübergreifend arbeitet. Sie schrieb über Gründen mit über 40: Risiko oder Unfair Advantage? 
Das hat mich nachdenken lassen. Mit 56 schaue ich auf mehrere Gründungen zurück: die erste mit 28, weitere mit 31, 37, 45, 50, zuletzt die fastfrwrd GmbH mit 54 und nun die terisa GmbH. Wenn ich zurückblicke, stelle ich mir die Frage noch klarer: Wann ist der richtige Moment, um etwas Neues zu beginnen?

Manche Gründungen entstehen aus innerem Drang: Man erkennt, dass Bestehendes schlecht funktioniert, und denkt: Das muss besser gehen. Früher hat mich genau dieses Gefühl oft getrieben. Und ja, ich war damals oft nicht ausreichend vorbereitet: Ich musste Erfahrungen sammeln, reifen und Abstand gewinnen, bevor sich aus einer Idee etwas Tragfähiges entwickeln ließ. Andere Vorhaben entstehen fast zufällig, wenn ein Mandat oder eine Aufgabe einen so tief einbindet, dass Lücken sichtbar werden. Und wir spontan entscheiden, dass wir das anders, besser, hilfreicher hinbekommen.

Aus so einem Moment ist die Idee für terisa.life entstanden. Aus dem Dialog mit meinem Freund und Geschäftspartner Alexander Hummelt. Mit Neugier, aus Erfahrung und dem Wunsch, Dinge sinnvoll zu ordnen, etwas Nachhaltiges zu entwickeln. Etwas, was die Welt vielleicht ein klein wenig besser macht. 

Kuratierung ist ein roter Faden in meinem Leben. Nach dem Zivildienst arbeitete ich als Pflegehelfer in einer urologischen Fachklinik. Ich kümmerte mich um kranke Menschen, begleitete sterbende Menschen. Während des Studiums durfte ich als Gastgeber in der Gastronomie Freude schenken, aber auch als Bestatter den letzten Weg begleiten. So war ich Dienstleister am Menschen in Lebensabschnitten und Situationen, die unterschiedlicher nicht sein können. All das verbindet sich zu einer Haltung: Es geht nicht allein um Prozesse, sondern um Würde, Präsenz und verlässliche Begleitung. 
Meine persönliche Geschichte – der Verlust meiner Mutter, die Sorge um Geschwister und Vater, das Leben bei der Großmutter bis zu ihrem Tode, die Unterstützung kinderloser Tanten über ihren Tod hinaus, die Betreuung und  Pflege meines Vaters während seiner Krankheit bis zu seinem letzten Atemzug – hat mir gezeigt, wie konkret Sorgearbeit ist. Sie bindet sich an Beziehungen, an Zeitpläne, an oftmals überforderte Familien. Angebote sind zwar zahlreich, aber selten so kuratiert, dass sie in solchen Momenten wirklich helfen.

Beruflich habe ich über Jahre Menschen und Inhalte zusammengebracht: als Moderator, Veranstalter, Ambassador und Berater. Aus dieser Arbeit weiß ich, dass Verfügbarkeit allein nicht genügt. Erst die passende Einordnung macht aus Information echte Hilfe. Genau darum geht es bei terisa.life. Das soll nicht nur Plattform sein, nicht nur Inhalte vorhalten, nicht nur Produkte anbieten, es geht um eine Haltung. Die Haltung, Inhalte so zu ordnen, so aufzubereiten, so zu qualifizieren, dass Menschen in belastenden Situationen sofort wissen, was als Nächstes zu tun ist.
Und dennoch: Die richtige Zeit zum Sorgen gibt es nicht. Sorgen treten unvermittelt auf: durch einen Unfall, eine Diagnose, eine schrittweise Verschlechterung. Niemand ist darauf wirklich vorbereitet. Das ist die Dringlichkeit: Wir können Gründungen planen, wir können Strukturen bauen; wir können aber nicht den Moment kontrollieren, in dem Menschen Unterstützung brauchen.

Mit diesem Blog wollen wir beides erzählen: Wie wir zur Gründung gekommen sind und wie sich terisa.life entwickelt. Wir schreiben darüber, was uns antreibt, welche Gespräche wir führen und welche Erfahrungen Betroffene und Angehörige mit uns teilen. 
Vor allem wollen wir ein kuratiertes Angebot schaffen. Von Menschen für Menschen.

Wir freuen uns auf den Austausch: auf eure Erfahrungen, eure Kritik, eure Hinweise. Nur so kann aus einer Idee ein Angebot werden, das wirklich trägt.